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Der iranische Kalender Drucken E-Mail
26.10.2006 18:18



Gliederung:

Die ältesten iranischen Datierungen

Die ältesten Datierungen aus dem persischen Sprach- und Kulturbereich finden sich in den Inschriften von Bisutun in der Nähe von Kirmanschah, die aus dem Ende des 5. vorchristlichen Jahrhunderts stammen. In drei Sprachen sind hier Monatsnamen verzeichnet. Damals wurde im Iran der babylonische lunisolare Kalender genutzt.


Der altiranische Kalender

Mit der Verbreitung der Religion Zarathustras im Iran gewann auch der zoroastrische Kalender immer grössere Bedeutung unter den Persern. Gegen Ende des 6. Jahrhunderts, spätestens jedoch in der Mitte des 5. Jahrhunderts vor Christus löste er die bis dahin bestehende babylonische Zeitrechnung ab und wurde zum offiziellen Reichskalender.

Diesem altiranischen Kalender lag das Sonnenjahr zugrunde, unterteilt in 12 Monate zu je 30 Tagen und fünf Zusatztagen, den Epagomenen. Die Namen der Monate und die Bezeichnungen der Tage im Monat - eine Besonderheit des iranischen Kalenders - sind überliefert. Sie sind identisch mit denen des heutigen iranischen Kalenders.

So gut wir auch über derartige Einzelheiten unterrichtet sind, über den inneren Aufbau dieser Zeitrechnung gibt es noch einige Unklarheiten. Nach Autoren aus islamischer Zeit handelte es sich um ein Wandeljahr von 365 Tagen, ähnlich dem ägyptischen Jahr, ohne jede Schaltung. Die Jahre wurden nach den Regierungsjahren der Herrscher gezählt, der Jahresanfang lag ursprünglich in der Zeit der Tag- und Nachtgleiche des Frühlings. Da dieses altiranische Jahr um fast sechs Stunden kürzer war als das astronomische Sonnenjahr, verschob sich allmählich der Jahresanfang gegen den Frühlingspunkt. In ungefähr 120 Jahren summierten sich diese jährlichen Abweichungen auf etwa 30 Tage, was einem ganzen Monat entspricht. Zumindest für den kultischen Bereich war es aber wichtig, dass sich die Jahrpunkte, nach denen sich die religiösen Feste richteten, nicht allzu weit vom wirklichen Sonnenstand entfernten. Daher musste man ca. alle 120 Jahre einen zusätzlichen 13. Monat einschalten. Dies geschah dergestalt, dass ein Monat zweimal gezählt wurde. Allerdings kam diese Schaltung nur im religiösen Kalender zur Anwendung, die gewöhnliche bürgerliche Jahresrechnung war hiervon nicht betroffen.

In der Theorie kann man sich dieses Verfahren ungefähr folgendermassen vorstellen: Unterstellt man, dass im (zurückgerechneten) gregorianischen Kalender Frühlingsanfang immer auf den 21. März fällt, - was in dieser Vereinfachung nicht stimmt -, so ergibt sich ungefähr die folgende Relation:
Ursprünglich (im 5. bis 6. Jahrhundert vor Christus) begann das iranische Jahr wohl mit dem Frühlingsanfang:

iranisch gregorianisch
11. Monat: Bahman 15.1. - 13.2.
12. Monat: Esfand 14.2. - 15.3.
Epagomenen 16.3. - 20.3.
1. Monat: Farwardin 21.3. - 20.4.

 

 

Im Laufe der Zeit verschob sich dieser Kalender immer mehr, so dass er 120 Jahre später ungefähr folgendermassen aussah:

iranisch gregorianisch
12. Monat: Esfand 15.1. - 13.2.
Epagomenen 14.2. - 18.2.
1. Monat: Farwardin 19.2. - 20.3.
2. Monat: Ordibehescht 21.3. - 20.4.

 

 

Nun wurde ein Monat eingeschaltet, allerdings nur im religiösen Kalender, nicht im Volkskalender:

iranisch gregorianisch
Volkskalender religiöser Kalender
12. Monat: Esfand           12. Monat: Esfand I 15.1. - 13.2.
1. Monat: Farwardin 12. Monat: Esfand II 14.2. - 15.3.
Epagomenen Epagomenen 16.3. - 20.3.
2. Monat: Ordibehescht 1. Monat: Farwardin 21.3. - 20.4.

 

 

Beim Volkskalender wurden, wie man sieht, nur die Epagomenen verschoben. Dies geschah, damit in beiden Rechnungen die Monate immer mit den gleichen Tagen begannen, die Tagesbezeichnungen also nicht voneinander abwichen. Die Epagomenen wanderten so vom 12. Monat hinter den 1. Monat. Bei der nächsten Schaltung kamen sie dann nach dem zweiten Monat zu liegen. Sie blieben allerdings im Vergleich zum Sonnenjahr immer in dem Zeitraum kurz vor dem Frühlingsanfang.

Es ist klar, dass ein derartiger Kalender ein gut funktionierendes Staatswesen benötigt, denn die Überwachung und Korrektur des Kalenders war Aufgabe des Staates, im besonderen der Kaste der Priester und Astrologen. Natürlich wurde nicht in regelmässigen Abständen geschaltet. Vielmehr wurde zu Zeiten einer starken Herrschaft der Kalender mit viel Prunk korrigiert, es konnte auch geschehen, das gleich zwei Schaltmonate eingeschoben werden mussten. Die damit verbundenen Feierlichkeiten gehörten zu den wichtigsten Festen, die eine staatstragende Funktion gehabt haben sollen.


Die Ära Yazdegar

Mit dem Eindringen islamischer Heerscharen in den Iran und der Zerstörung des Sassanidenreiches konnte der alte Kalender nicht mehr fortgeschrieben und korrigiert werden. Der letzte sassanidische Herrscher Yazdegard III. war im Jahre 632 an die Regierung gekommen. Damals lagen die Epagomenen nach dem achten Monat, der Jahresanfang war zu Beginn des Sommers. Da nun keine Schaltungen mehr durchgeführt wurden, blieben die Epagomenen bei jenem Monat, bei dem sie damals standen. Die Zeitrechnung nach der Ära Yazdegards ist somit ein Sonnenkalender mit 12 Monaten zu je 30 Tagen und 5 Zusatztagen, die dem achten Monat Aban folgen. Die Jahreszählung beginnt mit dem Jahr des Regierungsantritts Yazdegard III. Der 1. Farwardin 1 entspricht dem 16. Juni 632 julianisch.

Wegen seines einfachen Aufbaus erfreute sich dieser Kalender lange Zeit grosser Beliebtheit bei Astronomen und Chronologen im Iran und in anderen islamischen Ländern. In späterer Zeit wurden die Epagomenen an den letzten Monat angehängt. Diese Umstellung soll im Jahre 376 (im Jahre 1007 nach Christus) stattgefunden haben.Für diesen Zeitpunkt spricht, dass damals der Jahresanfang wieder auf den Tag des Frühlingsäquinoktiums fiel, also der Neujahrstag einmal durch alle Jahreszeiten gewandert war, woraus man auch schliessen kann, dass seit Einführung dieses Kalenders rund 1500 Jahre verstrichen sein mussten.


Die Reform Malik Schahs

Es ist klar, dass ein Kalender, dessen Jahresanfang in 1500 Jahren einmal alle Jahreszeiten durchläuft, für praktische Zwecke wie die Festlegung der Steuertermine sehr unbefriedigend ist. Der grosse Seldschukenherrscher Dschelal ed-Din Malik Schah rief daher gegen Ende des 11. Jahrhunderts eine Kommission von führenden Mathematikern und Astronomen ein, der auch Omar Chayyam angehört haben soll, und stellte ihr die Aufgabe, den Kalender zu reformieren. Das Ergebnis war der im Folgenden beschriebene Kalender, der letztendlich die Grundlage der modernen iranischen Zeitrechnung bildet.

Der Jahresanfang (1. Farwardin) wird auf den Tag des astronomischen Frühlingsbeginns gelegt. Ausgangspunkt der neuen Zeitrechnung ist der Frühlingsanfang des Jahres 1079. Der 1. Farwardin 1 entspricht nach einer Vielzahl von Quellen dem 15. März, einem Freitag. Die 12 Monate haben weiterhin 30 Tage, die 5 Epagomenen bleiben am Ende des Jahres. Um eine Verschiebung des Jahresanfangs zu verhindern wird immer dann eine 6. Epagomene angehängt, wenn eine Abweichung des Jahresanfangs vom Frühlingsäquinoktium droht.


Mögliche Schaltzyklen im Sonnenkalender

Die Kommission stand also vor dem Problem, Richtlinien zu erarbeiten zu müssen, nach denen der Neujahrstag bestimmt werden konnte. Verschiedene Lösungen sind hier in der Theorie denkbar: Die Länge des tropischen Jahres, also die Zeit, die die Sonne bei ihrem scheinbaren Lauf um die Erde benötigt, um vom Frühlingspunkt bis wiederum zu eben diesem Punkt zu gelangen, beträgt nach modernen Erkenntnissen 365 Tage, fünf Stunden, 48 Minuten und etwas mehr als 46 Sekunden (365d 5h 48m 46s). Eine erste Angleichung des Kalenderjahres an das astronomische Jahr, in persischen Quellen regelmässig bezeichnet als das wahre Sonnenjahr, erhält man, wenn man alle vier Jahre einen Schalttag einfügt. Dieses Kalenderjahr ist um ca. 11 Minuten zu lang. Daher muss man in gewissen Abständen anstelle eines vierjährigen Schaltintervalls ein fünfjähriges Schaltintervall verwenden, um diese Differenz auszugleichen. Ein recht gutes Ergebnis erhält man mit einem Zyklus von 33 Jahren, bei dem ein fünfjähriges Schaltintervall auf sieben vierjährige Intervalle folgt. Das Jahr dauert dann 365d 5h 49m 6s, ist als rund 20 Sekunden zu lang. Alternative wäre ein Zyklus von 29 Jahren mit 7 Schalttagen. Allerdings ist dann die Dauer des Kalenderjahres rund 71 Sekunden zu kurz. Eine Kombination beider Zyklen muss daher zu einem optimalen Ergebnis führen. Am genauesten ist die Verbindung von 3 Zyklen zu 33 Jahren mit einem Zyklus von 29 Jahren, insgesamt also eine Schaltfolge von 128 Jahren mit 31 Schaltjahren. Die durchschnittliche Dauer des Jahres weicht dann nur um rund eine Sekunde vom wahren Sonnenjahr ab.

Würde man diese Abfolge der Schaltjahre so legen, dass im ersten Jahre der Frühlingsbeginn genau auf den Tagesanfang fällt, so käme man zu dem folgenden Schema (* bezeichnet ein Schaltjahr, das ein fünfjähriges Schaltintervall abschliesst):

      1. Zyklus: 0 5* 9 13 17 21 25
29 34* 38 42 46 50 54 58
63 67* 71 75 79 83 87 91
95 100* 104 108 112 116 120 124
      2. Zyklus: 128 133* usw.

Mit welchem Jahr man einen neuen Zyklus beginnen lässt, muss man selbstverständlich in jedem einzelnen Falle den astronomischen Gegebenheiten anpassen.

 

In den im Abendland veröffentlichen Umrechnungstabellen kamen unterschiedliche Methoden zur Anwendung. Tsybulski nutzt in seinen 1979 in Moskau veröffentlichen Tabellen den einfachen und doch recht genauen Zyklus von 33 Jahren, ebenso Schram, dessen kalendariographischen und chronologischen Tafeln lange Zeit die sicherlich beste und einfachste Methode darstellten, Daten der verschiedensten Ären umzurechnen. Die Vergleichstabellen von Wüstenfeld-Mahler gehen von einem Kreislauf von 62 Jahren aus, der sich zusammensetzt aus einer 33-jährigen und einer 29-jährigen Periode, setzen allerdings aus nicht näher genannten Gründen des erste Jahr dieser Ära dem ersten Zyklusjahr gleich. Sie dürften daher auf jeden Fall ungenauer sein als die beiden vorher genannten Tabellenwerke.


Der Tagesanfang im Kalender Dschelal ed-Dins

Bei der Frage, auf welchen Tag der Frühlingsanfang fällt und welchem Jahr gegebenenfalls ein Schalttag anzuhängen sei, spielt eine grosse Rolle die Frage, welcher Zeitpunkt als Tagesbeginn zu betrachten ist. In einem islamischen Land wie dem Iran war natürlich der Tagesanfang zu Sonnenuntergang des Vorabends im alltäglichen Gebrauch üblich, zur Zeit der Tag- und Nachtgleiche also immer wenige Minuten nach 18.00 Uhr unserer Zeit. Andererseits ist Persien das Land der aufgehenden Sonne, was bis vor kurzem auch die Staatsfahne noch symbolisierte. Ein Tagesbeginn bei Sonnenaufgang ist daher durchaus in Erwägung zu ziehen. [  Dass der Beginn des neuen Tages zu Mitternacht anzusetzen ist, ist hingegen eher unwahrscheinlich.

Ebenso scheint es auf den ersten Blick seltsam, einen Tagesbeginn zu Mittag anzunehmen. Genau dies dürfte jedoch jedoch beim Kalender Dschelal ed-Dins der Fall gewesen sein. Nach einer Vielzahl von Quellen wurde der Jahresbeginn auf den folgenden Tag verschoben, sofern der astronomische Frühlingsbeginn in die Zeit nach Mittag fiel. Moderne iranische Forscher, namentlich die beiden führenden Gelehrten auf diesem Gebiet, S. H. Taqizadeh und R. Abdollahy, betrachten dies als gesicherte Tatsache. Letzterer schreibt: "Nasir ed-Din Tusi, Ulugh Beg und die meisten anderen Astronomen sagten «Das dschelalische Neujahr oder der erste Tag des Jahres in der dschelalischen Zeitrechnung ist der Tag, an dem bis Mittag die Sonne das erste Grad des Zeichen des Widders betreten hat.»".
 

Zeugnisse zeitgenössischer Astronomen zur Abfolge der Schaltjahre

Das Zeitalter der Seldschuken war eine Blütezeit der islamischen Naturwissenschaften, besonders auch der Astronomie. Zahlreiche Wissenschaftler haben sich mit Kalenderfragen auseinandergesetzt. Von dem grossen Astronomen Nasir ed-Din Tusi (1201 - 1274) stammt eine Liste der Schaltjahre für die ersten drei Jahrhunderte des Kalenders Dschelal ed-Dins, die später durch einen weiteren Astronomen noch bis zum Jahr 443 (1521 nach Christus) erweitert wurde. Nach ihm sind folgende Jahre Schaltjahre, die einen fünfjährigen Schaltzyklus abschliessen: 31, 64, 97, 130, 163, 192, 225, 258, und 291. Wie man sieht wird hier nach mehreren Zyklen zu 33 Jahren auch einmal ein Zyklus von 29 Jahren eingeschoben, eine feste Reihenfolge ist nicht zu erkennen. Man kann mit Sicherheit sagen, dass Tusi nicht versuchte, irgendeine zyklische Regelung zu erarbeiten, sondern dass er für jedes Jahr den Zeitpunkt des astronomischen Frühlingsbeginns berechnete. Welches Jahr ein Schaltjahr ist, ergibt sich dann von alleine: Fällt das Äquinoktium in die ersten fünf Stunden und 49 Minuten nach Tagesanfang, so ist dem vorausgehenden Jahr ein Schalttag anzufügen.

Eine sehr komplizierte Anweisung, wie in einem Zyklus von 220 Jahren mit 53 Schaltjahren die Schaltfolge berechnet werden kann, stammt von Abd ar-Rahman Chazini, der einer  der acht Astronomen gewesen sein soll, die der Reformkommission angehörten. Folgt man seinen Angaben, so erhält man eine Reihe von Schaltjahren, die bei der Verteilung der fünfjährigen Schaltintervalle leicht abweicht von den Angaben Tusis. Chazini geht aus von einer Länge des tropischen Jahres von 365d 14I 24II 20III 46IV 47V, wobei die Unterteilungen des Jahres in Sexagesimalteilen angegeben sind. Dies ist nach moderner Schreibung 365d 5h 45m 44s, ein

recht genauer Wert. Allerdings stimmt seine Regel zur Ermittlung der Schaltjahre mit dieser von ihm selbst benannten Jahreslänge nicht genau überein, sie kommt sogar zu einem noch genaueren Ergebnis, nämlich zu 365d 5h 46m 55s.


Ulugh Beg (1393 - 1449) verfertigte um das Jahr 1437 die wohl berühmtesten astronomischen Tabellen des islamischen Mittelalters, die noch bis in die Gegenwart häufig herangezogen werden. Er gibt die mittlere Länge des tropischen Jahres an mit 365d 14I 33II 7III 32IV. Dies entspricht einer mittleren Jahreslänge von 365 d 5h 49m 15s oder 365.24253488 Tagen, ein

Betrag, der nur um knapp eine viertel Minute zu hoch angesetzt ist. Legt man diesen Wert zugrunde, kann man weitere Schaltfolgen erarbeiten. Genau diesen Wert erhält man zum Beispiel bei einem Zyklus von 1440 Jahren mit 305 vierjährigen und 44 fünfjährigen Schaltintervallen. Weiter islamische Astronomen schlugen weitere Zyklen vor, teilweise sogar mit einer Dauer von nahezu 4000 Jahren.

All dies beweist nur, dass es offensichtlich keine festen Schaltregeln gab sondern das der Jahresanfang astronomisch zu bestimmen war, ein durchaus nicht triviales Problem der Astronomie. Die Entwicklung irgendwelcher Zyklen sollte sicher nur die Berechnung stark vereinfachen, genügte hierfür doch die Beherrschung der vier Grundrechnungsarten. Woran mag es aber nun gelegen haben, dass sich die Reformkommission nicht auf eine Schaltung einigen konnten, denn wie kompliziert diese auch immer gewesen wäre, mit Sicherheit wäre sie sehr genau und viel einfacher zu handhaben gewesen als astronomische Berechnungen.
Ein Grund hierfür könnte in den religiös-rechtlichen Vorschriften des Islam liegen. Im Koran wird an mehreren Stellen auf Fragen der Zeitrechnung eingegangen. In Sure 9, 37 wird die Schaltung (al-nasiy) als ein Übermass an Unglauben bezeichnet. Letztere Stelle wird zwar regelmässig gedeutet als das Verbot der Einschiebung eines Schaltmonats im isdlamischen Mondkalender, dies ist jedoch schon eine weiterreichende Interpretation. Mit einem astronomisch fixierten Jahresanfang analog den astronomisch bestimmten Monats- und Jahresanfängen des islamischen Kalenders ging man jedenfalls allen Diskussionen über die Frage, welche Art von Schaltungen erlaubt sei oder nicht, aus dem Weg.

Der beste Weg, sich über diese Fragen Klarheit zu verschaffen, dürfte sein, sich an die Berechnungen jener Astronomen zu halten, die zur Zeit der Seldschuken gelebt haben, also vor allem an Tusi und Chazini. Dabei dürfte es ausreichen, sich auf das erste Jahrhundert des neuen Kalenders zu beschränken, also auf jene Zeit, zu der Abd ar-Rahman Chazini lebte, beziehungsweise auf jenes Jahrhundert, das der Schaffensperiode Tusis direkt voranging, denn da dürften die Berechnungen genauer sein als bei jenen Daten, die sie für die ferne Zukunft ermittelten. Aus den von ihnen überlieferten Tabellen der Schaltjahre lässt sich auch ablesen, welchen Tagesbeginn sie zugrunde gelegt haben müssen, denn es gilt die folgende einfache Überlegung: Wenn der astronomische Frühlingsbeginn in die Zeit von Tagesbeginn bis 5 Stunden 49 Minuten nach Tagesbeginn fällt, muss das eben zu Ende gegangene Jahr einen 366. Tag gehabt haben.
Auch der Umkehrschluss gilt natürlich: Nach einem Schaltjahr fällt der Frühlingsbeginn in die Zeit von Tagesanfang bis ca. 6 Stunden nach Tagesbeginn. .

Fest steht, dass der 1. Farwardin des Jahres 1 auf Freitag den 15. März 1079 fiel. Leider wollte es der Zufall, dass aus diesem Datum keinerlei Rückschlüsse gezogen werden können. In diesem Jahr trat die Sonne am 15. März gegen 6.29 Uhr mittlerer iranischer Zonenzeit, der Zeit, die heute im Iran als Normalzeit zählt, in das Tierkreiszeichen des Widders. Berücksichtigt man die Differenz zwischen der Ortszeit Isfahan und dieser Zonenzeit sowie zwischen der wahren und der mittleren Zeit, so kommt man auf 6h19m. Ginzel errechnet den Zeitpunkt 6h 19,4m Ortszeit

Isfahan. Taqizadeh gibt hierfür 6h 9m wahrer Ortszeit Isfahan an. Geht man von einem Tagesbeginn am Vorabend aus, so waren seitdem 12 Stunden und 24 Minuten verflossen, geht man von einem Tagesbeginn bei Sonnenaufgang (um 5.57 Uhr früh) aus, so waren seit diesem Termin 22 Minuten verstrichen, unterstellt man hingegen die Regelung, dass die Grenze zur Verschiebung des Neujahrs auf Mittag gelegt war, so fehlten für eine Verschiebung noch über 5 Stunden. Neujahr fiel also auf jeden Fall auf diesen Freitag.

Bereits im Jahre 2 beginnen jedoch die Schwierigkeiten. Das Äquinoktium trat ein ziemlich genau gegen Mittag, wahrscheinlich wenige Minuten nach Mittag. Es gibt jedoch auch Berechnungen, nach denen dieses Ereignis zwei Minuten vor 12.00 Uhr Isfahaner Ortszeit stattfand. Geht man von der Datumsgrenze zu Mittag aus, so ergeben sich für dieses Jahr gewisse Schwierigkeiten hinsichtlich der Frage, wann Neujahr war. Je nachdem, wie genau die Berechnungen waren, war entweder das Jahr 1 ein Schaltjahr, dem ein fünfjähriges Schaltintervall folgt oder das Jahr 2 ein Schaltjahr mit folgendem vierjährigen Schaltintervall. Wie man sieht führen astronomische bestimmte Kalenderangaben immer wieder zu Zweifelsfällen, die in späteren Zeiten kaum mehr aufzuklären sind.

Es ist in diesem Zusammenhang sicher sinnvoll, die bekannten Tabellen und Berechnungen der Schaltjahre mit den astronomischen Gegebenheiten zu vergleichen. Im Anhang dieser Seite findet sich eine Tabelle , die den Zeitpunkt des Frühlingsbeginns nach Ortszeit Isfahan anzeigt. Ihr liegen eigene Berechnungen mit einer Genauigkeit von ca. ± 10 Minuten zugrunde. Aus ihr ist ersichtlich, wann jeweils ein Schaltjahr sein sollte nach den verschiedenen Kriterien.

Wie man aus dieser Tabelle erkennen kann, legt Nasir ed-Din Tusi die Folge der Schaltjahre so, dass nach einem Schaltjahr der Frühlingsanfang zumeist in die Zeit zwischen Mittag und Sonnenuntergang fällt. Tusi geht demzufolge offensichtlich bei seinen Berechnungen, die auch die genauesten der damaligen Zeit gewesen sein dürften, davon aus, dass der Mittag als Datumsgrenze heranzuziehen sei. Abweichungen von dieser Regel, zum Beispiel beim Jahre 31, das ein fünfjähriges Schaltintervall abschliesst, können vielleicht auch daher rühren, dass dieser Astronom nicht die Zeit von Isfahan sondern die eines weiter im Osten gelegenen Ortes heranzieht.

Die Schaltfolge, die sich aus den Anweisungen Chazinis ergibt, würde auf den ersten Blick darauf hindeuten, dass dieser Astronom den Tag mit dem Sonnenuntergang am Vorabend beginnen lässt. Allerdings kann seine Anweisung zur zyklischen Berechnung der Schaltjahre nicht zu so genauen Ergebnissen führen wie die exakten astronomischen Berechnungen Tusis. Bedenken muss man andererseits jedoch auch, dass Chazini seine Schaltregel so formuliert haben dürfte, dass sie die tatsächlichen Schaltungen in den ersten Jahrzehnten nach Einführung dieses Kalenders, also zu Lebzeiten dieses Astronomen, fehlerfrei wiedergibt. Eine gewisse Unsicherheit in der Frage, nach welchen Kriterien der Jahresanfang bestimmt wurde, bleibt bestehen.

Die Vergleichungstabellen von Wüstenfeld-Mahler weisen auf einen Tagesanfang um Mitternacht hin. Dies dürfte allerdings Zufall sein, dadurch bedingt, dass in ihnen die Ära dieses Kalenders gleichgesetzt wird mit dem Beginn des Schaltzyklus.

Es gibt Hinweise, dass die Reform Malik Schah´s nichts anderes gewesen sein sollte als die Einführung des julianischen Kalenders im Iran. So schreibt Hadschi Chalfa in der Einleitung zu seinen chronologischen Tafeln über die dschelalische Zeitrechnung folgendes "Acht der vortrefflichsten Männer ihrer Zeit, unter andern Omar Chaijam und Abderrahman Chazim, stellten dem Sultan Dschelal ed-Din Malik Schah vor, dass wenn man von der bei der persischen Zeitrechnung gebräuchlichen Vernachlässigung des Schalttages abgehen und dagegen den griechischen (d. h. julianischen) gebrauchen wollte, dies für die Einnahmen der Steuereinnehmer und für den Landesschatz von grösstem Nutzen sein werde." Naheliegender ist es allerdings, von einer Reform des altiranischen Kalenders zu reden, vergleichbar mit der gregorianischen Reform des julianischen Kalenders. Frühlingsanfang fiel damals auf den 19. Farwardin der Ära Yazdegard. Durch eine einmalige Schaltung von 18 Tagen legte man den Jahresanfang auf den Tag des astronomischen Frühlingsbeginns und man beschloss ferner, durch Einführung eines Schalttages in geeigneten Abständen zu bewirken, dass Neujahr sich nicht mehr von diesem Termin wegbewegt. Eine klare Schaltregel wurde nicht beschlossen.

In immerwährenden Kalendern, in astronomischen Werken, wurde die Zeitrechnung Dschelal ed-Dins immer wieder verwendet. Wieweit sie allerdings im alltäglichen Leben, in Urkunden und sonstigen Datierungen Anwendung fand, kann nicht gesagt werden. Da ein astronomisch bestimmter Kalender immer abhängig ist von der Genauigkeit zeitgenössischer Berechnungen, die im nachhinein nicht mehr überprüft werden können, kann er nie eindeutig sein. Sofern der Wochentag nicht bekannt ist können Datierungen nach diesem Stil nicht eindeutig bestimmt werden. In diesem Punkt gleicht der Kalender Dschelal ed-Dins dem islamischen Mondkalender.


Der neuiranische Kalender

Mit Gesetz vom 31. März 1925 wurde im Iran ein neuer Kalender eingeführt, der in vielem eine Restaurierung des Dschelal ed-Din´schen Kalenders darstellt. Die Darstellung dieser Zeitrechnung in abendländischen Werken ist im Detail recht widersprüchlich.

Walther Hinz ist der Meinung, das persische Jahr beginne "jeweils bei Eintritt der Sonne in das Zeichen des Widders, also am 21. (zuweilen auch erst am 22.) März (Frühlingsanfang)". Er scheint also von einem astronomisch fixierten Kalender auszugehen. A. K. S. Lambton geht von einem zyklisch fixiertem Kalender aus, in dem jedes vierte Jahr ein Schaltjahr ist, dennoch allerdings ein Jahresanfang am 20., 21., oder 22. März möglich ist.

Zu einem wieder verschiedenem Ergebnis kommt man, wenn man die Wüstenfeld-Mahler´schen Vergleichungstabellen heranzieht. Auch diesen Tabellen zufolge ist jedes vierte Jahr ein Schaltjahr. Da diesen Tabellen nach das iranische Schaltjahr dem gregorianischen Schaltjahr um ein Jahr vorausgeht, liegt nach einem iranischen Schaltjahr der Jahresbeginn am 22. März. So ist zum Beispiel das iranische Jahr 1361, beginnend am 21. März 1982, ein Schaltjahr. Da dieses Jahr somit 366 Tage zählt, das gregorianische Doppeljahr 1982/83 jedoch keinen 29. Februar beinhaltet, endet dieses Jahr erst am 21. März. Jahresbeginn 1362 ist demnach der 22. März. Das folgende iranische Jahr 1362 hat nun nach den Tabellen 365 Tage, das gregorianische Jahr 1983/84 jedoch 366 Tage, so dass der Jahresanfang nun wieder auf den 21. März zurückspringt. In den Tabellen werden Jahre, die am 22. März beginnen durch " + " gekennzeichnet. Da auch das Jahr 1305, das erste Jahr der Tabelle, ein Kreuz trägt, ist zu vermuten, dass hier ein Sprung in der Schaltung, also ein fünfjähriges Schaltintervall gewesen sein muss.

Bertold Spuler hat bei der Bearbeitung der Vergleichungstabellen eine Arbeit von Melvinger herangezogen. Melvinger schreibt zwar, "nous ne possédons malheuresement aucun renseignement sur le calcul des années bissextiles du calendrier moderne", aus der dieser Arbeit beigefügten Tabelle geht jedoch klar hervor, dass auf das Schaltjahr 1304 (1925/26) das Schaltjahr 1309 folgte, hier also zwischen zwei Schaltjahren fünf Jahre lagen. Allerdings sind dann in der bis 1356 (1977/78) fortgeschriebenen Tabelle wiederum alle vier Jahre Schaltjahre.

Alle bisher aufgeführten Beschreibungen des modernen iranischen Sonnenkalenders haben eins gemein: sie stimmen nicht mit der im Iran geübten Praxis überein. Dies ist natürlich auch Bertold Spuler, dem Bearbeiter der Neuauflage dieser Tabellen, aufgefallen, der in dem Abschnitt "Gebrauchsanweisungen und Formeln"schreibt:

  Freilich hat auch dieser Kalender in der Praxis seine Tücken. Aus Ausschreibungen persischer Regierungsstellen, die stets das Sonnen-Higra = und das gregorianische Datum bringen, ergibt sich nämlich, dass die Perser selbst diesen Kalender nicht korrekt handhaben. Hektographiertem Material der Deutsch-Iranischen Handelskammer e. V., Hamburg 13, Mittelweg 151, entnehme ich folgende Gleichungen:
  1. Urdibihist 1338 SH = 21 April 1959 (nach "Army Engeneering Dept."): falsch 4. Day 1338 = 26. Dez. 1959 (nach Etelâ'ât) : korrekt 27. Dai 1338 = 17. Jan. 1960 (Poste der Téhéran): falsch
  (kann schon deshalb nicht stimmen, weil zwischen dem 4. und dem 27. Dai : 23 Tage, zwischen dem 26. Dez. und dem 17. Januar aber nur 22 Tage liegen).
  Weiter: 2. Bahman 1338 SH = 22. Jan. 1960 (so "Poste de Téhéran" 8. XII. 1959 in einer Ausschreibung des "Secretary of State of War"): falsch 2. Dai 1338 SH = 24. Dez. 1959: korrekt 7. Isfand 1338 SH = 26. Febr. 1960 : falsch; beides nach dem "Journal officiel".
  Der Fehler tritt also (ausser beim ersten Beispiel) vom 1. Januar 1960 an auf. Vermutlich hat ein amtlicher persischer Kalender für 1960 für die ersten beiden Monate falsche
Daten gegeben, die man unbesehen und schematisch übernahm, weil man auch in Persien (wie in den meisten übrigen islamischen Ländern) im bürgerlichen und Geschäftsleben de facto nach dem gregorianischen Kalender rechnet.
  Man verlasse sich also bei Doppeldatierungen auch persischer Amtsstellen auf das gregorianische, nicht auf das Sonnen = Higra =Datum!

Eines steht offensichtlich fest: Mit der Sorgfalt persischer Kalendermacher ist es nicht zum Besten bestellt. Der Schlussfolgerung, die Spuler aus den falschen Datierungen für das Jahr 1959/60 zieht, muss jedoch widersprochen werden. Im heutigen Iran ist der neuiranische Kalender für alle Belange des Alltags allein massgebend. Nur im Verkehr mit dem Ausland findet der gregorianische Kalender Verwendung. Offensichtlich wird eben gerade auch beim gregorianischen Kalender im Iran nicht mit der notwendigen Sorgfalt gearbeitet. So liegt dem Verfasser ein im Iran gedruckter Kalender vor, der für das Jahr 1985 einen 29. Februar verzeichnet. Versucht man daher, den inneren Aufbau der heutigen iranischen Zeitrechnung durch Vergleiche iranischer und abendländischer Datierungen zu erkunden, so läuft man Gefahr, gleich doppelt Fehlern aufzusitzen. Sehr viel einfacher ist es, zu diesem Zweck banale und alltägliche Veröffentlichungen aus dem Iran heranzuziehen, zum Beispiel Tageszeitungen. Hier kann man sicher sein, dass die angegebene Datierung mit dem tatsächlichen Gebrauch übereinstimmt. Anhand des beigegebenen Wochentages lässt sich dann eindeutig der Jahresanfang bestimmen.


Das Gesetz von 1925

Wie es zu den beschriebenen unterschiedlichen Anschauungen über den heute im Iran gültigen Kalender kommen konnte, bleibt vorerst rätselhaft. Auch ein Blick in das Gesetz vom 31. März 1925 (oder vom 1. April 1925) kann diese Probleme nicht lösen. Der Text dieser Verordnung sei hier in extenso wiedergegeben:

  Restauration du calendrier pehlevi.
  1° Texte de la loi concernant l'ère persane officielle.
  Article premier.- L'Assemblée Nationale (Medjlis) approuve que dès le début du newruouz de l'année 1304 l'ère officielle anuelle du pays soit fixée de la façon suivante, que le Gouvernement doit mettre en vigueur dans tous les établissements gouvernementaux:
  a) L'origine de l'ère est l'année de l'hégire du prophète Mohammed ben Abdollah, de la ville de la Mecque à Médine;
  b) Le commencement de l'année est le premier jour de printemps;
  c) L'année est conforme à l'année solaire réelle;
  d) Le nom et le nombre des jours dans les mois sont:
  1. Ferverdine, 31 jours; 2. Eurdi-béhicht, 31 jours; 3. Kheurdad, 31 jours; 4. Tir, 31 jours; 5. Merdad, 31 jours; 6. Chehriwer, 31 jours; 7. Mehr, 30 jours; 8. Aban, 30 jours; 9. Azer, 30 jours; 10. Dey, 30 jours; 11. Behmen, 30 jours; 12. Isfend, 30 jours.
  Remarque. - Dans les années bissextiles, l'Isfend sera de 29 jours.
  Art. 2 - D'après l'année astronomique, les fautes et les inexactitudes qui se trouvaient dans les calendriers précédents se trouveront annulées lors de la confirmation de cette loi.
 
(Hablulmatin, n° 11, 17-IV-25.)
  2° Les noms des jours dans le mois.
  1. Ormouzd; 2. Wahmen; 3. Eurdi-béhicht; 4. Layour; 5. Sfendar-Mouzd; 6. Zerdad; 7. Emerdad; 8. Déitasser; 9. Azer; 10. Aban; 11. Khéir; 12. Mâh; 13. Tîr; Ghoûch; 15. Déi-bémehr; 16. Mehr; 17. Sroûch; 18. Rech; 19. Ferverdine; 20. Werhéram; 21. Ram; 22. Yade; 23. Déi-bédine; 24. Dine; 25. Ord; 26. Echtad; 27. Espân; 28. Dâmyad; 29. Mantéré-Sfrend; 30. Enaram.
 
(Hablulmatin, n° 14, 15-V-25.)

Soweit diese französische Übersetzung von in Indien erschienenen Auszügen aus der persischen Presse. Der Druckfehler ist offensichtlich. Natürlich hat der Esfand im Gemeinjahr 29 und im Schaltjahr 30 Tage und nicht umgekehrt, wie im zitierten Text zu lesen. Ob dem Übersetzter dieser Fehler unterlaufen ist, oder ob er aus dem Hablulmatin oder vielleicht sogar aus dem Gesetzestext selbst stammt, kann nicht gesagt werden.


Die Zählung der Jahre

Die Jahreszählung beginnt mit dem Jahr der Hidschra, dem iranischen Jahr 1 entspricht demzufolge das julianisch-gregorianische Jahr 622/623, zwischen gregorianischem und iranischen Kalender besteht somit eine Differenz von 621 Jahren. Die Jahre werden in der Regel als hidschri schamsi (Sonnen-hidschra) bezeichnet im Gegensatz zu der Zählung nach Jahren des islamischen Mondkalenders, die hidschri qamari (Mond-hidschra) genannt wird.

Mit Gesetz vom 24. Esfand 1354 h. Å¡. (14. März 1975) wurde eine Jahreszählung ab Gründung der iranischen Monarchie eingeführt, die allerdings nicht nur beim Klerus sondern auch in weiten Kreisen der Bevölkerung auf erheblichen Widerstand stiess und sich nicht durchsetzen konnte. Sie beginnt im Jahre 559 vor Christus. Die Jahreszählungen hidschri schamsi und schahanschahi unterscheiden sich um 1180 Jahre, ansonsten sind diese beiden Kalender absolut identisch. Bereit am 5. Schahriwar 1357 (27. August 1978), also noch geraume Zeit vor der eigentlichen islamischen Revolution, beschloss die Regierung, wieder zur alten Jahreszählung zurückzukehren.


Die Monate

Auffallend ist, dass das Kalendergesetz von 1925 zwar sehr ausführlich auf die Namen der Monate und deren Länge eingeht, sich über die Bestimmung des Jahresanfang hingegen kaum auslässt. Der Grund hierfür dürfte darin liegen, dass bei der Einteilung der Monate völlig neue Wege beschritten wurden im Vergleich zu früheren iranischen Kalendern. Bereits im Jahre 1911 war im Iran ein Sonnenkalender installiert worden, eine Restaurierung des Kalenders Dschelal ed-Dins. Damals wurden die Sonnenmonate, die bereits vorher schon im Iran gebräuchlich waren, offiziell eingeführt. Bei ihnen richtet sich die Länge des Monats nach der Verweildauer der Sonne im jeweiligen Tierkreiszeichen. Die Ekliptik, die scheinbare Bahn der Sonne um die Erde, wird bekanntlich in 12 Teile zu je 30 Grad unterteilt, beginnend mit dem Frühlingspunkt. Wie lange die Sonne braucht, um so einen Abschnitt zu durchmessen, hängt von ihrer Bahngeschwindigkeit ab. Diese ist am grössten Anfang Januar, wenn die Sonne in Erdnähe steht und am geringsten Anfang Juli, wenn die Sonne in Erdferne steht. Die Monate werden nach den Tierkreiszeichen bezeichnet, die Dauer der Monate schwankt zwischen 32 und 29 Tagen. Bis zur Reform im Jahre 1958 nutzte die offizielle Zeitrechnung Afghanistans diese Sonnenmonate.

Der neuiranische Kalender ging einen Mittelweg. Um vom Frühlingspunkt bis zum Herbstpunkt zu gelangen braucht die Sonne 186 Tage und 10 Stunden, der Kalender sieht hier sechs Monate zu 31 Tagen, also 186 Tage vor. Vom Herbstpunkt bis zum Frühlingspunkt benötigt die Sonne 178 Tage und 20 Stunden, Der Kalender rechnet hier mit 179 Tagen, im Schaltjahr mit 180 Tagen. Wie man sieht, ist die Dauer der Monate einerseits dem Laufe der Sonne recht genau angepasst, andererseits ist diese Regelung klar und eindeutig, sie ist weder abhängig von astronomischen Berechnungen noch wirkt sie so willkürlich wie die Folge der Monatslängen beim abendländischen Kalender.

Die Monatsnamen sind im Gesetz aufgeführt und oben zitiert worden. Eine aus dem altpersichen Kalender übernommene Eigenheit sind die Tagesnamen. Niemand benutzt sie heute mehr und selbst gebildete Perser dürften sie nicht mehr kennen.

Der Jahresbeginn im heutigen iranischen Kalender

Entscheidend für die Frage, wann im Iran das neue Jahr beginnt, ist, wie die Bestimmung des Gesetzes von 1925 "Der Beginn des Jahres ist der erste Tag des Frühlings" zu interpretieren ist. Das Gesetz geht offensichtlich von einem astronomisch fixierten Kalender aus, bei dem der Neujahrstag immer auf den Tag des Frühlingsäquinoktium zu fallen hat. Wie bereits im Zusammenhang mit dem Kalender Dschelal ed Din´s angesprochen, ist die Frage, an welchem Tag der Frühling beginnt, auch abhängig davon, auf welche Zeit man heute den Tagesanfang setzt. Wenn Walther Hinz schreibt, "die persischen Wochentage, die jeweils um 18 Uhr beginnen (nicht wie in Deutschland um 24 oder 0 Uhr),..." , so ist dies stark vereinfachend. Die Uhrzeit im Iran entspricht der heute auf der ganzen Welt gültigen Norm. Sie beginnt um Mitternacht mit 0.00 Uhr, der Tag beginnt also ebenfalls um Mitternacht. Andererseits ist der Iran ein islamisches Land. Daher spielt der islamische Kalender eine grosse Rolle. Die meisten Feiertage im Iran sind religiöse Fest- oder Trauertage, die mit dem Vorabend beginnen. Daher wird häufig in der Bevölkerung der Abend als Tagesbeginn angesehen. Die persische Sprache unterscheidet hier genau. Der "Abend des Freitags" bezeichnet den Abend und die Nacht vom Donnerstag zum Freitag, während "Freitag Abend" den Abend und die Nacht vom Freitag zum Samstag meint. Ein Tagesbeginn zur Zeit des Sonnenaufgangs scheint heute nicht mehr bekannt zu sein.

Im Iran ist es üblich, den Frühlingsanfang und das neue Jahr feierlich zu begrüssen. In Kalendern ist sekundengenau dieser Moment verzeichnet, im Fernsehen läuft eine Uhr, die ebenfalls die Sekunden zählt. Und dennoch ist dieser Tag nicht automatisch der Neujahrstag, unabhängig davon, ob man den Tagesbeginn am Vorabend bei Sonnenuntergang oder um Mitternacht ansetzt. In der Regel beginnt derzeit das Jahr erst am folgenden Tag.

Um diesen Widerspruch zu klären wurde für die Jahre von 1900 bis 2117 der astronomische Frühlingsanfang berechnet. Diesen Daten wurden Angaben zu Datierungen aus dem Iran für die Jahre 1925 bis 2000 gegenübergestellt. Neben Kalendern und Jahrbüchern wurden vor allem Tageszeitungen herangezogen. Aus all diesen Unterlagen geht eindeutig hervor, dass der oben zitierte Satz des Gesetzes zur Kalenderreform sich nur so interpretieren lässt, dass als erster Frühlingstag jener Tag anzusehen ist, von dem mehr als die Hälfte, also mehr als 12 Stunden, nach dem astronomischen Frühlingsäquinoktium liegt.

Bereits 1927 erwähnt Zwemer eine solche Regelung, wobei er offensichtlich der Meinung ist, der heutige iranische Kalender sei mit dem Kalender Dschelal ed-Dins identisch.Leider gibt Zwemer keinerlei Quellenangaben. So zeigen seine Ausführungen vor allem, dass diese Auffassung über den Jahresbeginn allgemein verbreitet war und als selbstverständlich angesehen wurde. Der neuiranische Kalender geht von dieser Regelung aus. S. H. Taqizadeh, dessen Arbeiten bereits mehrfach erwähnt und zitiert wurden, arbeitete mit an der Erstellung des Kalendergesetzes von 1925, seine Ansichten dürften die offizielle Meinung der Reformkommission widerspiegeln. Taqizadeh geht allerdings davon aus, der erste Tag dieser Zeitrechnung sei der 17. März 622 gewesen, eine Anschauung, die auch die übrigen Mitglieder der Kommission ihren Berechnungen zugrunde gelegt haben dürften. Im Jahr 622 fiel die Tag- und Nachtgleiche auf den 18. März gegen 13.30 Uhr Isfahaner Ortszeit, also bereits in den Nachmittag. Der 1. Farwardin des Jahres 1 muss demzufolge entsprochen haben dem 19. März 622 julianischen Stils. Seltsam mutet es schon an, dass das Gesetz von 1925 zu der zentralen Frage, wie der Jahresbeginn zu definieren sei, keine Stellung bezieht.

Wenn nun aber der Jahresanfang astronomisch bestimmt wird, kann es streng genommen keine Schaltregel geben. Welches Jahr 365 Tage und welches Jahr 366 Tage hat, ergibt sich aus den Berechnungen der Sonnenbahn. In der Praxis kann man natürlich für sehr lange Zeit den oben erwähnten Zyklus von 128 Jahren mit 31 Schalttagen nutzen, bei dem einmal nach 29 Jahren und drei mal nach je 33 Jahren ein fünfjähriges Schaltintervall eingeschoben wird. Da der gregorianische Kalender einen anderen Schaltzyklus hat, verschieben sich beide Kalender laufend gegeneinander. Vor 1925 fiel innerhalb von vier Jahren das iranische Neujahr zwei mal auf den 22. März und zwei mal auf den 21. März. Das Jahr 1304 (1925/26) leitete ein fünfjähriges Schaltintervall ein, so dass ab 1309 innerhalb von vier Jahren Nowruz drei mal auf den 21. März und einmal auf den 22. März fiel. Der nächste Schaltsprung folgte auf das fünfjährige Intervall 1337 (1958/59) bis 1342 (1963/64). Bis 1375 (1996/97) war das iranische Neujahr immer am 21. März, um von da ab für 33 Jahre innerhalb von vier Jahren dreimal auf den 21. März und einmal auf den 20. März zu fallen. Es wird sich weiter verschieben und gegen Ende des 21. Jahrhunderts immer auf den 20. März zu liegen kommen. Im Jahre 2100 hat der gregorianische Kalender einen Schaltsprung, der bewirkt, dass ab 2100 Nowruz für einige Jahre wieder ständig am 21. März sein wird.


Zusammenfassung

Der heutige iranische Kalender lässt sich in seinen Grundzügen zurückverfolgen bis in die Zeit der Achämeniden. Seine Grundeinheit bildet das Sonnenjahr, das unterteilt wird in 12 Monate. Die ersten sechs Monate haben je 31 Tage, die folgenden fünf Monate je 30 Tage. Der letzte Monat zählt im Gemeinjahr 29 und im Schaltjahr 30 Tage. Dies ergibt eine Jahreslänge von 365 Tagen im Gemeinjahr und von 366 Tagen im Schaltjahr.

Das iranische Jahr ist rein astronomisch definiert. Es beginnt und endet jeweils in dem Moment, in dem der Sonnenmittelpunkt die aufsteigende Ekliptik schneidet. Der Tag, auf den dieses Ereignis fällt, ist der erste Tag des neuen Jahres, sofern dieser astronomische Frühlingsbeginn vor 12.00 Uhr Mittags iranischer Zeit eintritt, ansonsten wird Neujahr auf den folgenden Tag verschoben. Diese Regelung bewirkt, dass zwar grundsätzlich jedes vierte Jahr ein Schaltjahr ist, in mehr oder weniger regelmässigen Abständen jedoch ein fünfjähriges Schaltintervall eingeschoben werden muss. Einige der gebräuchlichen Umrechnungstabellen tragen diesem Tatbestand nur unzureichend Rechnung. Daher werden an anderer Stelle neu überarbeitete Tabellen wiedergegeben, die auf einfache Art eine korrekte Umwandlung iranischer Daten in den abendländischen Kalender und umgekehrt ermöglichen.




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Der iranische Kalender im Ueberblick


      Farwardin
21.03 - 20.04
      Ordibehescht
21.04 - 21.05
      Khordad
22.05 - 21.06
      Tir
22.06 - 22.07
      Mordad
23.07 - 22.08
      Shahriwar
23.08 - 22.09
      Mehr
23.09 - 22.10
      Aban
23.10 - 21.11
      Azar
22.11 - 21.12
      Dey
22.12 - 20.01
      Bahman
21.01 - 19.02
      Esfand
20.02 - 20.03




        
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Anhang

Es bedeutet:   A Jahreszahl nach dem julianischen Kalender
B Jahreszahl nach der Ära Dschelal ed-Dins
C Zeitpunkt des Äquinoktiums in Ortszeit Isfahan
D Schaltjahr bei Datumsgrenze zu Mittag
E Schaltjahr bei Datumsgrenze Sonnenuntergang Vorabend
F Schaltjahr nach Abd ar-Rahman Chazini
G Schaltjahr nach Nasir ed-Din Tusi
H Schaltjahr nach Wüstenfeld-Mahler
A B C D E F G H
1075 -3 15.03. 07:04 *        
1076 -2 14.03. 12:54   *      
1077 -1 14.03. 18:43          
1078 0 15.03. 00:32          
1079 1 15.03. 06:19 *        
1080 2 14.03. 12:09       *  
1081 3 14.03. 17:58   * *    
1082 4 14.03. 23:47         *
1083 5 15.03. 05:36          
1084 6 14.03. 11:25 *     *  
1085 7 14.03. 17:13   * *    
1086 8 14.03. 23:02         *
1087 9 15.03. 04:51          
1088 10 14.03. 10:40 *     *  
1089 11 14.03. 16:29   * *    
1090 12 14.03. 22:19         *
1091 13 15.03. 04:07          
1092 14 14.03. 09:56 *     *  
1093 15 14.03. 15:45   * *    
1094 16 14.03. 21:34         *
1095 17 15.03. 03:23          
1096 18 14.03. 09:11 *     *  
1097 19 14.03. 15:00   * *    
1098 20 14.03. 20:49         *
1099 21 15.03. 02:38          
1100 22 14.03. 08:27 *     *  
1101 23 14.03. 14:15   *      
1102 24 14.03. 20:04     *   *
1103 25 15.03. 01:53          
1104 26 14.03. 07:43 *     *  
1105 27 14.03. 13:32   *      
1106 28 14.03. 19:20     *    
1107 29 15.03. 01:09         *
1108 30 14.03. 06:58 *        
1109 31 14.03. 12:47   *   *  
1110 32 14.03. 18:36     *    
1111 33 15.03. 00:25         *
1112 34 14.03. 06:13 *        
1113 35 14.03. 12:02       *  
1114 36 14.03. 17:51   * *    
1115 37 14.03. 23:40         *
1116 38 14.03. 05:29          
1117 39 14.03. 11:18 *     *  
1118 40 14.03. 17:07   * *    
1119 41 14.03. 22:56         *
1120 42 14.03. 04:45          
1121 43 14.03. 10:34 *     *  
1122 44 14.03. 16:22   * *    
1123 45 14.03. 22:11         *
1124 46 14.03. 04:00          
1125 47 14.03. 09:49 *     *  
1126 48 14.03. 15:38   * *    
1127 49 14.03. 21:27         *
1128 50 14.03. 03:15          
1129 51 14.03. 09:04 *     *  
1130 52 14.03. 14:53   *      
1131 53 14.03. 20:43     *   *
1132 54 14.03. 02:32          
1133 55 14.03. 08:20 *     *  
1134 56 14.03. 14:09   *      
1135 57 14.03. 19:58     *   *
1136 58 14.03. 01:47          
1137 59 14.03. 07:36 *     *  
1138 60 14.03. 13:25   *      
1139 61 14.03. 19:13     *    
1140 62 14.03. 01:02         *
1141 63 14.03. 06:51 *        
1142 64 14.03. 12:40   *   *  
1143 65 14.03. 18:29     *    
1144 66 14.03. 00:17         *
1145 67 14.03. 06:06          
1146 68 14.03. 11:56 *     *  
1147 69 14.03. 17:45   * *    
1148 70 13.03. 23:34         *
1149 71 14.03. 05:23          
1150 72 14.03. 11:11 *     *  
1151 73 14.03. 17:00   * *    
1152 74 13.03. 22:49         *
1153 75 14.03. 04:38          
1154 76 14.03. 10:27 *     *  
1155 77 14.03. 16:15   *      
1156 78 13.03. 22:04     *   *
1157 79 14.03. 03:53          
1158 80 14.03. 09:42 *     *  
1159 81 14.03. 15:31   *      
1160 82 13.03. 21:21     *   *
1161 83 14.03. 03:09          
1162 84 14.03. 08:58 *     *  
1163 85 14.03. 14:47   *      
1164 86 13.03. 20:36     *   *
1165 87 14.03. 02:25          
1166 88 14.03. 08:14 *     *  
1167 89 14.03. 14:02   *      
1168 90 13.03. 19:51     *    
1169 91 14.03. 01:40         *
1170 92 14.03. 07:29 *     *  
1171 93 14.03. 13:18   *      
1172 94 13.03. 19:06     *    
1173 95 14.03. 00:55         *
1174 96 14.03. 06:44 *        
1175 97 14.03. 12:34   *   *  
1176 98 13.03. 18:23     *    
1177 99 14.03. 00:12         *
1178 100 14.03. 06:00          
1179 101 14.03. 11:49 *     *  
1180 102 13.03. 17:38   * *    


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Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Nikola A. Bär
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